Eine Anmerkung vorab:

In diesem Blog erz├Ąhlt Julien die Geschehnisse um und aus Der Kuss des D├Ąmons aus seiner Sicht. Da er ├╝ber eine ganze Menge mehr Hintergrundinformationen verf├╝gt als Dawn, werden hier auch gewisse Details sehr viel fr├╝her offenbart als im Roman selbst. Wer also den Kuss des D├Ąmons noch nicht gelesen hat und sich die Spannung nicht selbst nehmen m├Âchte, dem w├╝rde ich raten, den eigentlichen Roman zu lesen, bevor er hier in Juliens Blog weiterlie├čt.



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Dubai I

Wieviele Stunden scheint die Sonne ├╝ber dieser verdammten Stadt?
Obwohl ich mich inzwischen daran gew├Âhnt haben sollte: F├╝r mich sind es eindeutig zu viele. - Wenn die F├╝rsten jemanden aus dem Weg r├Ąumen, machen sie es richtig.




Dubai II

Bisher habe ich nie an Adriens Verstand gezweifelt. Jetzt tue ich es. Er will im Auftrag der F├╝rsten tats├Ąchlich eine Legende jagen. Etwas anderes ist eine Princessa Strigoja nicht. Eine Legende! Ein Aberglaube! Ein Relikt aus alten Zeiten! - Bodenloser Schwachsinn!
Ich dachte zuerst, ich h├Ątte ihn falsch verstanden. Aber als ich nachfragte, hat er es mir best├Ątigt: Mein Herr Bruder hat es ├╝bernommen ein M├Ądchen zur Strecke zu bringen, das wohl der Bastard einer Menschenfrau und einem von unserer Art ist, und bei dem demnach die M├Âglichkeit besteht, dass aus ihr eine Princessa Strigoja wird, sobald sie den Wechsel vollzieht. - Nach dem, was er mir gesagt hat, haben die F├╝rsten wohl durch einen Geschaffenen, der unerkannt bleiben wollte, von der Kleinen erfahren. Allerdings w├╝rde ich jede Wette halten, dass da noch mehr dahinter steckt - auch wenn Adrien nicht weiter mit der Sprache rausr├╝cken wollte. Wenn dem nicht so w├Ąre, w├╝rden sie keinen Vourdranj schicken, um das M├Ądchen aus der Welt zu schaffen ... Dann w├╝rden sie nicht Adrien schicken.
Was soll das? Warum hat er diesen Auftrag ├╝bernommen? Warum ist er diesen Handel mit den F├╝rsten eingegangen? - Etwas anderes als ein Handel kann es nicht sein! Adrien w├╝rde sich nicht auf etwas Derartiges einlassen, wenn er keinen guten Grund daf├╝r h├Ątte. Was haben sie ihm geboten, damit er es getan hat? Dass sie eventuell meinen Prozess noch einmal aufnehmen? Dass sie meine Verbannung vielleicht aufheben? - Gel├Ąchter! Eher schneit es in der H├Âlle! Das wei├č Adrien so gut wie ich. G├ęrard hat genug Einfluss um es zu verhindern.
Verdammt, Bruder, es war schon immer klar, dass jeder, der etwas von dir will, zuerst an mir vorbei muss. Und dass ich auch den Kopf an deiner Stelle auf den Block legen w├╝rde, wenn es n├Âtig sein sollte.




Dubai III

Adrien kann ungef├Ąhr so gespr├Ąchig sein wie ein Haufen Sand.
Wie lange habe ich gebraucht, um ein knappes Dutzend S├Ątze zu diesem Auftrag der F├╝rsten aus ihm heraus zu bekommen? Eine halbe Stunde? Nein, es muss l├Ąnger gedauert haben. Und das bei einer Verbindung, die zu 98 Prozent nur aus Rauschen und Knacken bestand, so dass ich letztendlich doch nur die H├Ąlfte davon verstehen konnte was er gesagt hat.
Er ist in einem Kaff mit dem Namen Ashland Falls, in der N├Ąhe des Penobscot River in Maine, ein gutes St├╝ck n├Ârdlich von Bangor. Offenbar gibt es dort sogar einen von unserer Art den Adrien kennt und der irgendwie in seiner Schuld steht.
Was ich allerdings noch aus ihm rausbringen konnte: Nach dem, was die F├╝rsten von ihrem 'Informanten' erfahren haben, hat ein alter Geschaffener etwas mit der Sache zu tun. - Ein Geschaffener, der vielleicht eine Bedrohung f├╝r die F├╝rsten sein k├Ânnte? Es w├╝rde einiges erkl├Ąren. Vor allem, warum sie Adrien mit der Sache beauftragt haben. Immerhin sind er und ich die einzigen, die niemandem mehr Loyalit├Ąt schulden.
Dass ich von der Sache nicht begeistert bin, ist Adrien klar. Wenn man meinen Ruf hat, kann man auch einem F├╝rsten oder Prinzen ins Gesicht sagen, was man von ihm und seinen Aktionen h├Ąlt. Und Adrien gegen├╝ber habe ich ohnehin noch nie irgendetwas verborgen. Warum auch? - Zumindest hat er mir versprochen, mich auf dem Laufenden zu halten.




Dubai IV

Mein Bruder ist nicht wirklich f├╝r seine ├╝berm├Ą├čige Geduld bekannt, und dass er in diesem Kaff offenbar nicht recht vorankommt, reizt ihn umso mehr. Keiner scheint etwas ├╝ber dieses M├Ądchen - oder den Geschaffenen, der offenbar tats├Ąchlich irgendwie die Finger in der Sache hat - zu wissen. Oder aber sie haben zu viel Angst davor, zu reden. Was f├╝r mich mehr als logisch klingt, vor allem, da die F├╝rsten Adrien wohl dar├╝ber in Kenntnis gesetzt haben, dass ihr 'Informant' ein unfreiwilliges Sonnenbad genommen hat. Unfreiwillig deshalb, weil man einen Satz Hand und Fu├čfesseln in seinen ├ťberresten gefunden hat.
-- Wer auch immer hinter all dem steht: Er wird davon ausgehen, dass die F├╝rsten mindestens einen Vourdranj auf ihn angesetzt haben. Niemand arbeitet bewusst gegen die F├╝rsten, wenn er nicht ├╝ber die Mittel und Handlanger verf├╝gt, um das Spiel auch entsprechend zu spielen. Und wer die F├╝rsten nicht f├╝rchtet, f├╝rchtet auch die Vourdranj nicht. - W├Ąre ich an der Stelle dieses Geschaffenen, w├╝rde ich Jagd auf den J├Ąger machen, ehe der mir gef├Ąhrlich werden kann.
Merde! Was soll das? Seit wann halte ich mich f├╝r den H├╝ter meines Bruders? Adrien kann sehr gut auf sich selbst aufpassen.




Dubai V

Entweder liegt dieses Ashland Falls in einem halben Funkloch, oder mein Handy macht es nicht mehr lange. Die Verbindung war zumindest mal wieder mehr als schlecht. - Adrien glaubt, dass die Kleine auf eine 'Montgomery-High' geht. Zumindest nach dem, was ich ├╝ber Knacken und Rauschen verstehen konnte. Einen Namen hat er noch nicht. Au├čerdem konnte er wohl doch endlich ein wenig mehr ├╝ber diesen Geschaffenen in Erfahrung bringen. Trotzdem. Irgendwie gef├Ąllt mir das Ganze nicht. - - Vielleicht sollte ich mir heute Nacht ein Opfer suchen, bei dem sich die Jagd etwas reizvoller gestaltet als bei reh├Ąugigen Touristinnen, die einem anderen Europ├Ąer nur zu gern vertrauen. - Nur um mich ein wenig abzulenken.




Dubai VI

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser! Das scheint wohl der Ansatz der F├╝rsten zu sein, wenn es um meine Wenigkeit geht. Zumindest hatte ich heute das Vergn├╝gen, einen ihrer Handlanger empfangen zu d├╝rfen, der sich von meinem Wohlverhalten hier in Dubai ├╝berzeugen sollte. Das einzige, das man mir derzeit vorwerfen kann, ist, dass ich mich an keinerlei Geschwindigkeitsvorschriften halte. Wenigstens die endlosen Pisten drau├čen vor der Stadt bedeuten ein bisschen Spa├č, auch wenn ich mindestens einmal in der Woche den Luftfilter der Blade reinigen muss. Ansonsten bin ich meines Erachtens nach ├Ąu├čerst zahm. - Ob man es allerdings als 'Wohlverhalten' bezeichnen kann, dass ich den Kerl nach nicht ganz zehn Minuten rausgeschmissen habe, wei├č ich nicht. Dacc', vielleicht h├Ątte ich ihn nur zur T├╝r raus (und nicht auch noch die Treppe runter) bef├Ârdern sollen. Seinem Geschrei von wegen "Das werde ich den F├╝rsten berichten", nach zu urteilen, kann es aber nicht allzu schlimm gewesen sein. Er war durchaus noch in der Lage ohne die Hilfe seines Chauffeurs zu seiner Limousine zu humpeln.
Zu allem ├ťberfluss habe ich seit f├╝nf Tagen nichts mehr von Adrien geh├Ârt. Allm├Ąhlich werde ich unruhig. - Und dass ich hier unt├Ątig herumsitzen muss, macht es nicht besser.




Dubai VII

Die zierliche Br├╝nette, die mich in dieser Bar heute Abend so schamlos angeflirtet hat, h├Ątte glatt ein M├Ądchen von unserer Art sein k├Ânnen. Mon Dieu! Zwei Minuten l├Ąnger und ich h├Ątte sie auf meinem Scho├č gehabt. Dabei sa├č ihr Freund direkt neben ihr. Dass er sie vor meinen Zudringlichkeiten (MEINEN - Gel├Ąchter!) bewahren wollte, war zwar ehrenhaft aber nicht unbedingt klug. ... Ich glaube, ich habe dem armen Kerl die Nase gebrochen. Dabei war es nur ein Schlag. - Vielleicht h├Ątte ich ihm raten sollen, sich ein anderes M├Ądchen als Freundin zu suchen, aber als ihm das Blut ├╝bers Gesicht rann, musste ich gehen. M├Âglich, dass ich dieses Mal etwas zu lange mit dem Trinken gewartet habe.
Noch immer nichts von Adrien. Entgegen unserer Absprache habe ich heute versucht ihn anzurufen. Nichts! Ich hoffe, dass er auf die SMS reagiert, die ich ihm geschickt habe. - Das Ganze gef├Ąllt mir immer weniger!




Dubai VIII

Es reicht! Meldet Adrien sich nicht binnen 24 h auf die SMS die ich ihm heute geschickt habe, fliege ich in die USA. - Die F├╝rsten und alle Konsequenzen k├Ânnen mir gestohlen bleiben!